Der Ablasshandel

 

Pest, Kriege, Folterungen, Hexenverbrennungen und vieles mehr bestimmten die Ängste der Menschen im Späten Mittelalter, zur Zeit Martin Luthers. Besonders groß war die Angst vor dem Fegefeuer. Die Menschen fürchteten sich vor den großen Qualen, die sie dort angeblich zu erwarten hatten. Die Menschen glaubten, dass im Fegefeuer die Seelen der Verstorbenen von ihren Sünden gereinigt werden, bevor sie in den Himmel gelangen können. Der Verbleib im Fegefeuer richtete sich nach der Schwere der Sünden.

Durch einen sogenannten "Ablassbrief", den die Kirche verkaufte, konnte der Aufenthalt im Fegefeuer verkürzt werden. Das Geld, das durch den Verkauf eingenommen wurde, ging zur Hälfte an die Kirche in Rom. Sie bezahlte damit den Bau des Petersdomes. Die andere Hälfte durfte der Bischof behalten, in dessen Amtsbereich der Ablass verkauft wurde.

Der Bischof Johannes Tetzel verkündete in seinem Amtsbereich den Gewinn des Ablasskaufes: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt!"

Gegen diese Missstände wandte sich Martin Luther. Er war der Überzeugung, dass man von Sünden nur durch echte Buße, aber nicht durch den Kauf von Ablassbriefen befreit werden konnte. Diese Meinung vertrat er auch öffentlich, er ging sogar noch weiter:

Am 31. Oktober 1517 verbreitete Martin Luther seine 95 Thesen, in denen er im Wesentlichen gegen den Handel mit Ablassbriefen opponierte und den Papst und anderen kirchliche Würdenträger letztendlich zum Umdenken auffordern wollte. Seine Thesen verbreiteten sich schnell, vor allem, weil es seit der Erfindung des Buchdruckes möglich war, viele Abschriften in kurzer Zeit herzustellen. In ganz Deutschland fanden sie lebhaftes Echo, viele stimmten Luther zu. Papst Leo X. war gezwungen zu reagieren. Er schickte Kardinal Cajetan nach Deutschland. Dieser verhörte Luther auf dem Reichstag in Augsburg (1518), erreichte aber nicht, dass er seine Behauptung widerrief. Daraufhin sollte Luther festgenommen werden, ihm aber gelang  die Flucht.

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